Es grenzt an Wucher

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Wer Päckchen von Spanien ins Ausland verschicken möchte, sollte sich zuvor über die Correos-Preise informieren – es kann bisweilen sehr teuer werden. Fotos: Ángel García

Alicante – ann. Es kann ja nicht überall so gut laufen wie bei der Maut, wo der Jahreswechsel statt der alljährlichen Preiserhöhung die Gebührenfreiheit brachte. Die spanische Post hat zum 1. Januar ihre Tarife wieder „angepasst“, sprich verteuert.
Zwar hält sich der Anstieg bei Briefen ins In- und Ausland mit fünf Cent in Grenzen. So kostet ein Standardbrief – mit Normformat und unter 20 Gramm – von Spanien nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz nun 1,45 statt der bisherigen 1,40 Euro. Doch beim Paketversand hat Correos dafür wieder ordentlich draufgelegt. Vor allem, was Sendungen innerhalb Europas angeht.
Im neuen Jahr müssen Postkunden für ein Standardpaket (Paq Standard) bis zu einem Kilo innerhalb der EU künftig 30,87 Euro hinblättern. Das sind satte 2,81 Euro (rund 10 Prozent) mehr als noch im vergangenen Jahr. Jedes weitere Kilo kostet jetzt 3,28 Euro im Gegensatz zu den 2,98 Euro in 2019. Wer Päckchen innerhalb Spaniens verschicken möchte, darf sich hingegen freuen – die Preise sind zu 2019 gleichgeblieben.
Neu in diesem Jahr ist, dass das Produkt „Internationale Eilbriefe“ komplett abgeschafft wurde. Die Option der Carta Urgente – entweder als Normalbrief oder als Einschreiben – ist nur noch innerhalb Spaniens möglich.
Eine Logik im Tarifdschungel von Correos zu erkennen, ist für Laien nicht gerade einfach. So ergibt sich etwa das erste Paradoxon, dass das oben genannte Standardpäckchen gerade mal sieben Cent billiger ist als das Paquete Internacional Económico, also das angeblich „preiswerte“ internationale Paket. Dessen Preis für jedes zusätzliche Kilo liegt mit 3,30 Euro sogar über dem des Paq Standard.
Zweites Paradoxon: Besagtes Paquete Económico ist ins nahe Europa teurer als in jeden anderen Teil der Welt. So zahlen Kunden für ein Päckchen mit 1,5 Kilo nach Belgien beispielsweise 34,10 Euro, nach Madagaskar 29,25 Euro, nach Argentinien 29,30 Euro und nach Singapur 29,80 Euro. Nicht selten ergibt sich dabei der Umstand, dass der Inhalt des Päckchens weniger kostete als dessen Versand.
Schon im Jahr 2015 ließ sich aus einer Studie der Brüsseler Saint-Louis-Universität entnehmen, dass Spanien das drittteuerste Land beim internationalen Paketversand ist. Nur in Schweden und Dänemark war das Versenden eines Zwei-Kilo-Päckchens ins Ausland noch teurer.
Aus dem neuesten Bericht über die Briefpreise in Europa, den die Deutsche Post AG im Juni 2019 veröffentlicht hat, geht hervor, dass Spaniens Inlandbrief mit 0,60 Euro (seit 1. Januar 0,65 Euro) einer der günstigsten in Europa ist. In Deutschland und Österreich kostete dieser im vergangenen Jahr 0,80 Euro, in der Schweiz 0,87. Am teuersten sind Briefpreise in Dänemark mit 3,89 Euro und Italien mit 2,80 Euro.
Andersherum ist es beim Europabrief. Ein Brief von Spanien in den Rest Europas kostete 2019 1,40 Euro, wer ihn in Deutschland losschickte, zahlte hingegen nur 1,10 Euro, bei der Post in Österreich 0,90 Euro und in der Schweiz 1,30 Euro.
Interessant ist auch die Preisentwicklung in der EU und den EFTA-Ländern seit 2009. So lässt sich dem Bericht entnehmen, dass die Briefpreise in Spanien inflationsbereinigt mit 60,4 Prozent deutlich mehr gestiegen sind als etwa in Deutschland (30,9 Prozent) oder Österreich (24,3 Prozent). In Italien stieg der Preis für den Inlandbrief um haarsträubende 316 Prozent, während er unter anderem in der Schweiz praktisch gleich blieb. Der komplette Bericht der Deutschen Post AG kann unter dem Kurzlink bit.ly/2QMxp2M abgerufen werden.

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