Vom Trend zum Müll

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Die Bekleidungsindustrie boomt. Billiganbieter werfen eine Modekollektion nach der anderen auf den Markt. Fotos: Ángel García/Andrea Beckmann/Caritas

Spanien – ab. Die Kundin ist begeistert. Wie eine Trophäe trägt sie den kuschelig gefütterten Winteranorak an die Kasse. „Was für ein tolles Schnäppchen“, ist sie sich mit der Verkäuferin einig. Später wird sie uns sagen, dass sie den Anorak zwar nicht unbedingt benötigt hätte, aber: „Gebrauchen kann man eine warme Winterjacke doch immer und diese war um die Hälfte reduziert. Da konnte ich nicht widerstehen“, erklärt sie diesen Kauf.
Rebajas – Schlussverkauf – heißt das Zauberwort, das auch jetzt zum Saisonwechsel wieder landesweit Millionen Kunden in die Geschäfte lockt. Und dieser Schlussverkauf schloss sich nahtlos an die Rebajas media temporada, also den vorsaisonalen Schlussverkauf, an, mit denen die Bekleidungsbranche vor dem eigentlichen Winterschlussverkauf dafür sorgte, dass der Euro rollte. „60 Prozent der spanischen Konsumenten werden während dieser Rebajas spontan etwas kaufen, nur weil Ausverkauf ist. Dafür werden sie nach Schätzungen des Einzelhandels durchschnittlich 110 Euro ausgeben. Das bedeute: Drei von fünf Spaniern ließen sich von den Spezialangeboten leiten.
Einen Grund, auf Schnäppchenjagd zu gehen, finden Kunden gleichwohl das ganze Jahr über. Die Ware, die reinkommt, muss schnellstmöglich wieder raus, und so jagt vor allem bei Billiganbietern eine Kundenfangkampagne die nächste.
Weltweit werden jährlich 100 Milliarden Kleidungsstücke und Accessoires, das kommt 62 Millionen Tonnen gleich, hergestellt. Davon wechseln etwa 40 Prozent zum vollen Preis den Besitzer, 30 Prozent finden heruntergesetzt einen Abnehmer, und weitere 30 Prozent werden nie verkauft.

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