Universum der Melancholie

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Das Selbstporträt im Unterhemd hat Cualladó 1960 in Madrid gemacht. Fotos: Ausstellungskatalog Gabriel Cualladó

Ein großer Mann mit einer winzigen Kamera und einer riesigen Leidenschaft. Das war der Valencianer Gabriel Cualladó (1925-2003), dessen fotografisches Werk noch bis zum 29. April in Madrid zu sehen ist. 140 Aufnahmen eines Amateurs, wie er sich selbst bezeichnete. Ein Autodidakt, der die Fotografie Spaniens geprägt und eine erste große Sammlung zusammengetragen hat, in dem er mit jungen oder bekannten Künstlern Fotos austauschte. Leben musste er von der Fotografie nicht. Er hatte von seinem Onkel die bekannte Transportfirma Cualladó übernommen und ausgebaut, die später an UPS verkauft wurde.
Als 1951 sein Sohn Gabriel geboren wurde, hat er sich seine erste Kamera, eine Capta, gekauft, um seinen Sprössling zu fotografieren. Daraus wurde eine geduldige Leidenschaft. Man glaubt den Zeitzeugen, die behaupten, er suchte sein Objekt nicht, sondern wartete, bis es sich zeigte, bis ein Dialog entstand zwischen ihm und seinem Gegenüber.
Die Aufnahmen sind oft düster, melancholisch, besonders die Eindrücke vom Land. Vor allem Asturien, aber auch der Rastro in Madrid spiegeln Ärmlichkeit und Einsamkeit wider: Das Spanien der 50er bis zu Beginn der 80er Jahre. Doch die Kompositionen offenbaren häufig überraschende Perspektiven und Effekte. Eine Landschaft in Castilla-La Mancha 1970 regenverhangen, ein Schimmel sticht leuchtend weiß hervor. Auch er steht trotz des Glanzes einsam und traurig da. Cualladó dokumentiert nicht, sondern provoziert Gefühle im Betrachter.

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