Coronavirus Spanien: Aktuelle Zahlen – Alles für das Gesundheitswesen

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Meistens diszipliniert. Die Bürger gewöhnen sich an die Ausnahmesituation. Mercadona Finestrat. Foto: Ángel García
  • Die aktuellen Zahlen zum Coronavirus in Spanien (Quelle: Ministerio de Sanidad, Stand: Montag, 23. März, 8 Uhr) Registrierte Infizierte: 33.089, Tote: 2.182, auf Intensivstationen: 2.350, gesund geschrieben: 3.350

– Ringen um Masken und Tests
– Alleingänge der Regionalfürsten
– Todesfalle Altersheim: Allein 16 Tote in Alcoy
– Sánchez will „EU-Marshallplan“ und „Corona-Kriegsanleihen“
– Polizei greift durch: Alicante – Dénia – Torrevieja

Madrid/Valencia – mar. Die Beschaffung und Verteilung von Schutzmaterial, vor allem für das medizinische Personal, die Aufstockung der Kapzitäten der Intensivmedizin sowie die Erhöhung der Testdichte sind die vordinglichsten Aufgaben des Krisenstabs der Regierung. Bis mindestens 11. April diszipliniert zu Hause bleiben, die wichtigste Aufgabe der Bevölkerung.

Seit Montagmorgen werden 640.000 Schnelltests, die Spanien in China und Südkorea gekauft hat, paritätisch an die Regionen verteilt. Diese Tests liefern Ergebnisse innerhalb von 20 Minuten und haben eine 95%ige Sicherheit. Zunächst werden damit die Mitarbeiter des Gesundheitswesens getestet, die landesweit 12 Prozent der Infizierten stellen, am Montag waren das 3.400, in einigen Regionen, wie Valencia, sogar 20 Prozent. Test-Priorität bekommen zudem die Altersheime, die sich in mehreren Regionen, vor allem in Madrid als regelrechte Todesfallen entpuppt haben.

Alleingänge der Regionalfürsten

Einigen Regionen sind die Maßnahmen der Zentralregierung nicht genug und vor allem nicht schnell genug. Valencias Ximo Puig (PSOE wie Sánchez) will Schutzausrüstung und Masken direkt importieren, Madrids Diaz Ayuso tut in dramatischen Videobotschaften so, als würde die Zentralregierung Madrid absichtlich im Stich lassen. Parteipolitik in Zeiten einer existentiellen Krise. Andere PP-Regionalpräsidenten zeigen sich deutlich zurückhaltender und betonen die Notwendigkeit eines nationalen Schulterschlusses. Gänzlich abgemeldet ist hingegen Vox, die rechtsextreme Partei steht mangels konstruktiver Politikansätze im Moment recht blank und überraschend still in der Ecke.

Andere Regionen wie Andalusien oder Galicien praktizieren bereits „Drive through“-Tests, Schnelltests, bei denen die Getesten am Krankenhaus vorfahren, aber nicht mehr aus den Autos aussteigen müssen. Einbestellt werden all jene, die über die Notrufnummern Symptome meldeten oder bei denen medizinisches Personal Verdacht hegt.

Laut Regierung in Madrid wolle man in den nächsten Tagen sechs Millionen Tests zur Verfügung haben, um sich so ein genaues Bild der Lage machen zu können und die richtigen Entscheidungen zu treffen – ein Vorgehen, das in Ländern wie Südkorea und China ausschlaggebend für die relativ schnelle Eindämmmung der Epidemie war. Bis Samstag hatte Spanien erst 350.000 Tests durchführen können.

Todesfalle Altersheim: Allein 16 Tote in Alcoy

Besonders dramatisch sind die Meldungen aus Altersresidenzen, die sich zu regelrechten Todesfallen entwickelt haben. Nicht nur in Madrid und Umgebung auch in der Provinz Alicante kommt es dabei zu tragischen Ereignissen. Im Altersheim DomusVi in Alcoy starben in kurzer Zeit 16 der Bewohner, von bisher 40 in der gesamten Provinz Alicante insgesamt. Allein am Samstag starben in der Residenz zehn Personen, 72 Bewohner sind Covid-positiv, 15 Mitarbeiter entweder angesteckt oder in Quarantäne. In weiteren 23 Altersrsidenzen der Region Valencia gibt es zumindest einen Infizierten, erklärte das Gesundheitsministerium Valencia, insgesamt 93, von denen 23 starben. Gleichzeitig sind 51 Mitarbeiter betroffen, 143 in Quarantäne.

Die Region Valencia zählte per Sonntag: 1.604 registrierte Infizierte und 69 Tote. 335 der Infizierten, oder 21 Prozent sind Mitarbeiter des Gesundheitswesens, spanienweit 12 Prozent. Derzeit liegen wegen des Virus 590 Menschen in der Region Valencia in Krankenhäusern, 209 davon in der Provinz Alicante, wiederum davon 33 auf Intensivstationen. Die Zeltkrankenhäuser, die man in allen drei Provinzhauptstäten (Valencia, Alicante, Castellón) neben die großen Hospitäler zur Entlastung bauen will, sollen „in zehn Tagen fertig sein“, so das Ministerium. 1.100 Betten mehr stünden dann zur Verfügung, vor allem, um leichtere aber behandlungsbedürftige Fälle auszulagern und so die Intensivressourcen der Krankenhäuser zu schonen.

Sánchez will „EU-Marshallplan“ und „Corona-Kriegsanleihen“

Pedro Sánchez forderte indes mehr finanzielles Engagement von Europa. Konkret: Einen Marshallplan für das Auffangen des unabwendbaren Einbruchs der Wirtschaft durch den „Krieg gegen das Virus“. Dieser solle die nationalen Anstrengungen ergänzen. Spanien schließt sich dabei den Forderungen Frankreichs und Italiens an, sozusagen eine Südfraktion, die in dieser Woche bei einer Videokonferenz mit allen EU-Staatschefs den budgetär eher vorsichtigen Norden um Deutschland und Holland davon überzeugen will, dass die Gelddruckerpressen anzuschmeißen sind. Die EU hatte zwar bereits die Stabilitätskriterien ausgesetzt, so also Flexibilität in den Haushalten der Mitgliedsstaaten ermöglicht und angekündigt bis zu 750 Milliarden Euro Schulden durch die EZB aufkaufen zu lassen.

Doch Sánchez will „Coronabons“, eine Art Kriegsanleihe, also die direkte Geldaufnahme bei der Europäischen Zentralbank, die sich bewusst sein dürfte, dass sie das meiste davon nicht wiedersehen wird. Überlegungen zur Währungsstabilität und dem „Investorenvertrauen“ hielten die EZB bisher davon ab. Die Notlage könnte nun aber diesen Paradigmenwechsel herbeiführen. Ein europäischer Arbeitslosenfonds, der die Unternehmen wie die Staaten entlastet, ist eine weitere Idee aus Madrid für Brüssel. Die Europäische Entwicklungsbankd könne zudem Sonderfonds für Kleinunternehmen und Selbständige auflegen. „Europa ist im Krieg gegen den Virus, dazu muss es alle seine Waffen einsetzen. Es gelten keine Ausreden mehr“, so Sánchez.

Polizei greift durch: Alicante – Denia – Torrevieja

In Alicante – um eine Provinz herauszugreifen – hatte die Polizei am Wochenende alle Hände voll zu tun. In der Provinzhauptstadt allein wurden 1.000 Identifikationen vorgenommen und 300 Anzeigen/Strafen gegen Personen verhängt, die – zu Fuß oder mit dem Auto – die Regeln der Ausgangssperre umgehen wollten. Man erwischte Eltern beim Ballspielen mit Kindern auf der Straße, sperrte eine Dönerbude zu, in der sich die Menschen drängten, beendete Saufgelage und stoppte einen Lieferwagen, der über Lautsprecher Botschaften versandte, auf Arabisch. Es stellte sich heraus, dass es sich um Infos zur Coronavirus-Krise handelte und man Sprachlandsleute aufklären wollte. Die Nachbarn gerieten darob in helle Panik.

Eine Hamburger-Bude im Zentrum Alicantes öffnete trotz Verbot und Hundehalter hatten sich zu einer geselligen Gassigeh-Gruppe zusammengeschlossen. In Dénia erwischte man ein Liebespaar zu zweit im Auto bei expliziten Praktiken, Jugendliche beim Kiffen im Skater Park und einen besonders schlauen Hundehalter, den man rund einen Kilometer von seinem Haus entfernt antraf (100 Meter sind das Maximum). Torrevieja toppte aber alle: Dort nahm die Kamera des lokalen Wetterdienstes eine Person auf, die bei Gewitter und Ausgangssperre ein gemütliches Bad im 13 Grad kalten Mittelmeer nahm. Die Polizei half dann beim Abtrocknen. Dass sich das Ganze an der Playa de Los Locos abspielte, muss nicht erst betont werden.

Die Sicherheitskräfte lobten aber die Mitwirkung der Bevölkerung in der überwiegenden Mehrheit.

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3 KOMMENTARE

  1. Woher stammt die Angabe zum Gassi-Maximum von 100 m? Ich kann das nirgendwo finden und sehe hier vor Ort auch sehr viele Hundehalter, die sich deutlich weiter als diese Entfernung vom Haus entfernen – gerade größere Hunde benötigen doch auch mehr Auslauf, oder?

    • Die Information war eine Spezifikation der Ortspolizei Alicante für die Provinzhauptstadt. Bitte halten Sie sich an die Anweisungen der Ordnungskräfte. Wir alle können mehr Auslauf gebrauchen, nicht nur größere Hunde. MfG, red.

      • Danke für die Antwort! Ich konnte mir nur nicht vorstellen, dass die vielen Gassigänger hier in Torre del Mar alle gegen eine ausdrückliche Regelung verstoßen.

        Wir halten uns an die Ausgangssperre, auch wenn Sie haben natürlich Recht, dass wir alle mehr Auslauf gebrauchen können!

        Viele Grüße!

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