Coronavirus schließt Grenzen: Spanien hält hunderte Camper vor Ceuta fest

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Die spanische Enklave Ceuta lässt niemanden mehr ein- und ausreisen. Foto: efe

Spanien ergreift drastische Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Nachdem die europäischen Grenzen geschlossen wurden, schließt das Land nun auch die inländische Grenze zwischen den Enklaven Ceuta und Melilla und dem spanischen Festland. Hunderte Caravans und PKW stehen am Hafen und warten vergeblich auf die Überfahrt.

  • Seit heute (23. März), 0 Uhr, dürfen keine Fähren zwischen Ceuta, Melilla und dem spanischen Festland fahren.
  • Internationale Camper und Autofahrer verfassen Hilfsschreiben an ihre Heimatländer.
  • Marokko schickte EU-Bürger explizit nach Ceuta.

Update, 1. April: Die Koordination der Ausreise der vor der Grenze Gestrandeten organisiert die deutsche Botschaft in Rabat, Marokko. Auf ihrer Internetseite veröffentlicht sie ständig den neuesten Stand und zeigt Möglichkeiten auf, wie man das Land verlassen kann. Laut der diplomatischen Vertretung ist die nächstmögliche Verbindung zwischen Marokko und Europa die Notfähre Tanger-Sète (Frankreich) von Baleària, buchbar unter diesem Link (in französischer Sprache, am besten vom Internetbrowser übersetzen lassen) oder telefonisch: 00212-539 934 463 bzw. 0539 934 463. Abfahrt ist morgen, 2. April, um 18 Uhr, am Hafen von Tanger (Marokko) und sie kommt am Samstag, 4. April, um 10 Uhr in Frankreich an. Platz ist für 170 Camper. Die Tickets richten sich nach der Anzahl der Passagiere und der Größe des Fahrzeugs und beginnen bei 1.200 Euro. Camper werden bevorzugt behandelt. Es ist gut möglich, dass im Laufe der nächsten Wochen noch weitere Notfährverbindungen nach Frankreich eingerichtet werden.

Update

Das deutsche Konsulat in Málaga reagiert mit einem offenen Brief auf die Wartenden am Grenzübergang zwischen Marokko und Ceuta:

„Sehr geehrte ……….,

dem Konsulat Málaga wurde Ihr gestriges Schreiben, in dem Sie Ihre Situation vor dem Grenzübergang Ceuta schildern, zugesandt. Aufgrund einer vollkommen überlasteten Infrastruktur in den beiden Exklaven Ceuta und Melilla hat die spanische Regierung mit Dekret vom 21.03.2020 die dortigen Grenzübergänge zu Marokko mit Wirkung vom 23.03.2020, 0.00 Uhr, für jeglichen Verkehr bis auf Weiteres geschlossen.

Ich bedauere sehr, dass Sie und andere deutschen Landsleute von dieser Grenzschließung betroffen sind, kann Ihnen aber gleichzeitig versichern, dass sich sowohl die Botschaften in Madrid und Rabat gemeinsam mit unseren EU-Partnern als auch das Auswärtige Amt für eine umgehende Lösung mit Nachdruck einsetzen. Sobald mir nähere Informationen vorliegen, werde ich Sie selbstverständlich sofort benachrichtigen. Bis dahin bitte ich Sie um Verständnis und Geduld.

 

Mit freundlichen Grüßen, Arnulf Braun (Konsul)“

Update

Die Situation spitzt sich weiter zu. 400 LKW, PKW und Wohnmobile stehen aktuell Schlange am Hafen von Ceuta, um eine Fähre nach Algeciras in Andalusien zu bekommen. Die hygienische Situation ist kritisch, es werden keine zusätzlichen Toiletten zur Verfügung gestellt und gibt kaum Mülleimer. Augenzeugen berichten, dass das marokkanische Militär einzelne Maßnahmen ergreift, aber genauso wie das Hafenpersonal von der Schließung überfordert ist.

Update

Es wird der Redaktion berichtet, dass die Gesellschaft Baleària die Strecke Ceuta Algeciras noch sporadisch bedient, wobei nur etwa ein Dutzend Passagiere mitgenommen werden.

Coronavirus: „Wie sollen wir Spanien verlassen, wenn die Fähren nicht fahren?“ 

Ceuta – ste. Nachdem Spanien die europäischen Grenzen geschlossen hat, folgte nun auch eine innerspanische: Seit heute (23. März), 0 Uhr, dürfen keine Fähren mehr zwischen Ceuta, Melilla und dem spanischen Festland fahren. Diesen Beschluss bestätigte die Regierungsvertretung in Ceuta gegenüber der spanischen Presseagentur Efe.

Die Enklave befindet sich an der Straße von Gibraltar auf dem afrikanischen Festland, gehört aber politisch zu Spanien und – mit gewissen Modifikationen wie einer obligatorischen Grenzkontrolle vor der Überfahrt aufs Festland- auch zum Schengenraum. Nachdem Marokko die Grenze zu Spanien schloss, alle Flugverbindungen abbrach und auch die Fähren zwischen den südspanischen Städten Algeciras und Tarifa mit der marokkanischen Stadt Tanger aussetzte, blieb Europäern in Marokko lediglich die Chance, über die spanischen Enklaven das Festland zu erreichen und von dort aus die weitere Heimreise anzutreten.

Vor Ceuta gestrandet ohne Lebensmittel und Trinkwasser

Der Beschluss, wegen der gestiegenen Ausbreitung des Coronavirus ab sofort keine Verbindungen mehr zwischen dem afrikanischen und spanischen Festland einzurichten, kam für viele Betroffene sehr plötzlich. „Wir, mehrere hundert Bürger verschiedener Nationalitäten der Europäischen Union sitzen seit mehr als 24 Stunden an der spanischen/ marokkanischen Grenze vor Ceuta fest“, steht in einem Hilfsschreiben, dass mehrere Deutsche über Facebook verbreitet haben. Die Lage vor Ort sei „katastrophal“, es gäbe „keinen Zugang zu Lebensmitteln und Trinkwasser“. Unter den Gestrandeten befinden sich auch zahlreiche ältere Menschen, für die eine Infektion mit dem Coronavirus schwerwiegende Folgen hätte.

Die Verfasser des Schreibens schildern auch, dass ihnen im deutschen Honorarkonsulat in Rabatt, Marokko, ausdrücklich geraten wurde, die Rückkehr über Ceuta und Melilla anzutreten, da alle anderen Verbindungen vom marokkanischen Staat eingestellt worden waren. Dieser Rat sei schriftlich erfolgt, heißt es in der Nachricht der Betroffenen, scheinbar kam also auch für die diplomatische Vertretung in Marokko die Grenzschließung überraschend. Auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar, in Málaga, sitzt das deutsche Konsulat unter der Leitung von Arnulf Braun. Er gibt gegenüber den Costanachrichten an, die Situation sei bekannt und das Konsulat setze sich „mit Nachdruck für eine Lösung ein“.

Die Gestrandeten hoffen auf ein baldiges Ende der Sperrung der Grenze. Dicht an der Grenze zusammengedrängt sei das Infektionsrisiko sehr groß, das Versammlungsverbot könne nicht umgesetzt werden. Bewacht werden die Reisenden indes von den marokkanischen Grenzsoldaten. „Bislang wurden wir freundlich behandelt. Wir wissen nicht, wie lange das so bleibt“, so die Verfasser.

Durchgreifen gegen das Coronavirus auf spanischen Straßen und im Tourismussektor

Auch auf dem spanischen Festland ist die Situation für Camper und Autofahrer aktuell nicht einfach. Polizei und Guardia Civil kontrollieren rigoros, ob sich wirklich nur eine Person allein im Fahrzeug befindet. Von dieser Regelung ausgenommen sind nur Menschen, die Bedürftige wie Kinder und Kranke begleiten oder „sonstige Gründe“ anführen können. Der Redaktion wurde sowohl von Fällen berichtet, in denen Polizisten Autos, die sich auf der Rückreise befanden, mit mehreren Personen durchließen, als auch davon, dass Familien die Weiterreise verwehrt wurde.

Darüberhinaus werden aber auch touristische Einrichtungen wie Campingplätze und Hotels angehalten, bis Donnerstag, 26. März, zu schließen, was eine Heimreise dringend nötig macht. Ausgenommen von der Anordnung sich Dauercampingplätze und langfristig vermietete Ferienwohnungen. In der letzten Aktualisierung des zugehörigen Dekrets hieß es:

Weiterhin für den Kundenverkehr geöffnet bleiben dürfen einige touristische Einrichtungen, die Gäste beherbergen, die sich vor der Ausrufung des Alarmzustandes (14. März, Anm. d. Red.) dauerhaft oder für einen langen Zeitraum in diesen Einrichtungen, in eigenen, abgegrenzten Räumen, niedergelassen haben. Diese müssen private Räume bieten, um die im Dekret Nummer 463/2020 geschilderten Bedingungen zur Bewältigung der gesundheitlichen Krise, ausgelöst durch die Krankheit Covid-19, erfüllen zu können. Trotzdem dürfen diese touristischen Einrichtungen keine neuen Kunden aufnehmen, bis der Notstand aufgelöst ist.

 

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8 KOMMENTARE

  1. Habe heute E-papier (13x) bestellt, ab 27.03. hoffe dass es klappt. (hatte ein wenig Mühe mit der Bestellung.) mit freundlichen Grüssen, M. Sommerfeld

    • Lieber Herr Sommerfeld,

      vielen Dank für Ihren Einsatz! Wir hoffen, dass Sie das E-Paper mittlerweile erhalten haben. Sollte es weiterhin Schwierigkeiten geben, wenden Sie sich gerne an unseren Kundenservice unter abo@cbn.es .

      Herzliche Grüße, Stella Kirchner/CBN

  2. Die Zahl der Uneinsichtigen, Unvernünftigen und Verweigerer scheint niemals abzunehmen.
    Wie kann man sich auch jetzt noch in Marokko herumtreiben, alle Nachrichten ignorieren und glauben „es wird schon nicht so schlimm sein“, O-Ton eines sehr alten Rentners am Airport Alicante vor drei Tagen.
    Jeder vernünftige Mensch hätte sich schon längst auf die Rückreise auf das spanische Festland begeben, schließlich wird auf allen Kanälen Tag und Nacht über die aktuelle Situation berichtet und seit dem 14.3. ist der lockdown offiziell verkündet. Da kann keiner sagen er hätte von alledem nichts gewusst.
    Nein, es ist die unglaubliche Ignoranz einiger weniger die sich selbst in diese Situation manöveriert haben. Und jetzt kommt das große Gejammer und der Ruf nach dem Staat. Und nun?
    Ich bin dafür, diesen Menschen vor Ort zu helfen. Bringt ihnen Wasser, Lebensmittel und Dixie-Klo‘s.
    Damit haben sie die gleichen Voraussetzungen wie viele Spanier in den Großstädten – es herrscht schließlich Ausgangssperre. Das gilt für jeden, auch für Touristen. Jeder, der nach Nordafrika in den Urlaub fährt und dort trotz Pandemie bleibt, kennt das Risiko einer mangelhaften Gesundheitsversorgung.

    • Sehr geehrter Hr Wachtel, kann Ihnen nur recht geben, in allem, was Sie sagen! Wir reisen auch sehr viel und ab dem 12.3. war klar, dass sich Spanien und Marokko einer Krise nähern werden. Und dann zu hoffen, fast 14 Tage später aus Marokko in Spanien einreisen zu können, grenzt an Idiotie . Und dann soll der Staat helfen! Es ist eine Unverschämtheit, so etwas zu fordern!

  3. Am Sonntag muss ich nach Alicante zum
    Flughafen um ein Leihwagen bei Centauro zu tauschen! Gern würde ich deswegen dort nicht hinfahren! Muss ich aber, weil es von Centauro nicht möglich ist mir den jetzigen Wagen bis zum Ende meines Aufenthaltes zu lassen !
    Die Folgeautos sind alle bezahlt! Nur meine Unterschrift auf dem neuen Kontrakt fehlt! Ist das ein Problem in der digitalen Welt?
    Ich würde lieber nicht nach Alicsnte müssen ! Kann hier geraten oder geholfen werden?

    • Hallo Frau Buikis, generell haben die Mietwagenanbieter die Anweisung, bis einschließlich 11. April keine Mietwagen mehr auszugeben, sondern nur noch entgegenzunehmen. Bitte setzen Sie sich mit Ihrem Autovermieter in Verbindung und fragen Sie ihn, ob der Tausch überhaupt möglich ist. Streng genommen dürfen Sie auch nur zum Einkaufen, für die Fahrt zum Arzt oder in besonderen Ausnahmefällen, etwa für die Fahrt zum Flughafen, um die Heimreise anzutreten, unterwegs sein. Viel Erfolg&bleiben Sie gesund!

      • Danke Frau Strauss.
        für IHre Antwort. Davon habe ich noch nichts gehört. Auch auf den Seiten der Autovermieter finde ich nichts dergleichen.
        Nun ja, ich muss dann wohl fahren um das Auto abzugeben. Mal sehen wie dann weiterverfahren wird.

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