Aktuelles zu Coronavirus: In Spanien und an der Costa Blanca

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Zigtausende Kontrollen von Fahrzeugen wurden durchgeführt. Ausreden gelten nicht mehr. Foto: Guardia Civil

– Regierungschef Pedro Sánchez: „Schwerste Krise seit Bürgerkrieg“
– Valencia: Jeder fünfte Infizierte ist Mitarbeiter des Gesundheitswesens
– Überlastung im und Solidaritätswelle mit Gesundheitswesen
– 700 Beatmungsgeräte und 640.000 Tests kommen
– 350 Verhaftungen, 30.000 Anzeigen, Militär schreitet in Torrevieja und Orihuela ein
– Massenabreise von Ausländern hält an
– Internetnutzung geht durch die Decke

Madrid/Valencia/Alicante – mar. Am Samstagabend trat Regierungschef Pedro Sánchez vor die Kameras um Bilanz über die erste Woche des Alarmzustandes zu ziehen, was er mit vielen Zahlen und emotionalen Bewertungen sowie motivierenden Formeln tat: „Unser Land durchlebt die schwerste sanitäre Krise seit 100 Jahren. Die letzten sieben Tage haben das Land verändert.“ Er sprach den Familien, die Angehörige verloren haben, sein tiefes Beileid aus, auch, „weil viele von Ihnen in den letzten Momenten nicht bei ihren Liebsten sein konnten.“ Gleichzeitig dankte er den Helfern auf allen Ebenen und versicherte, dass die Regierung auf der Höhe der Lage, sämtliche Grundversorgung garantiert sei und die Kooperation mit den Strukturen funktioniere. Er dankte auch der „vorbildlichen Mitwirkung der Bürger“. „Die Krise bringt das Beste aus uns allen hervor.“

Derzeit „kämpfen wir darum, Zeit zu gewinnen“, um die Behandlungen zu verbessern und die Kapazitäten anzupassen, so Sánchez. Spanien folge mit seinem Weg den Empfehlungen internationaler und der besten nationalen Experten, „so wie die meisten Länder Europas.“ Diese Maßnahmen – und Spanien habe mit die drastischsten Maßnahmen ergriffen, die beispiellose soziale und ökonomische Opfer erfordern – müssten an die Lage angepasst werden. Es bedürfe größerer Anstrengungen in den Regionen, die besonders betroffen sind, wie zum Beispiel Madrid, Baskenland und Katalonien.

„In den nächsten Stunden werden wir damit beginnen 1,5 Millionen Schutzmasken und anderes Material zu verteilen. – In sieben Tagen werden wir über alle nötigen Materialien verfügen – aus spanischer Produktion.“

Sánchez warnte auch vor Fake-News, die vor allem in den Sozialen Medien kursieren. „Diese Kette der Falschinformationen müssen wir, müssen Sie durchbrechen“, sie würden nur Schaden anrichten, kämen aus dubiosen Quellen und dienten anderen Zielen, als dem Sieg über das Virus.

„Es handelt sich wahrscheinlich um die schwierigste Situation seit des Bürgerkrieges.“ Es sei aber nun wichtig, sich nicht auseinander dividieren zu lassen, denn nur durch Einheit werde man das Virus besiegen. „Lassen wir uns nicht durch die Angst besiegen.“ „Es hängt von uns allen ab, wann und wie wir aus dieser Situation herauskommen.“ Sánchez wiederholte, dass er leider immer noch sagen muss: „Das Schlimmste steht uns noch bevor. Die Welle (Spitze der Infektionen) wird jetzt kommen.“ Doch abseits der Leiden und Probleme, die Spanien jetzt durchleidet, „sind und werden wir stärker und solidarischer als zuvor, – denn nur vereint, werden wir siegen.“

Valencia: Jeder fünfte Infizierte ist Mitarbeiter des Gesundheitswesens

Über 25.374 Infizierte, davon 13.000 im Krankenhaus, 1.1612 auf Intensivstationen, 1.378 Tote in Spanien bis Samstagabend. In der Provinz Alicante starben an nur einem Tag 13 Personen am Coronavirus, insgesamt jetzt 30. In der gesamten Provinz Valencia gibt es 1.363 registrierte Infizierte, in der Provinz Alicante 479 (+107 binnen 24 Stunden oder +28 Prozent). 183 davon liegen im Krankenhaus, 27 auf der Intensivstation. Jeder fünfte Infizierte in der Region Valencia, 264, ist ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens.

Überlastung im und Solidaritätswelle mit Gesundheitswesen

Die Überlastung des Gesundheitswesens, vor allem der Intensivbetten, ist in Madrid besonders spürbar. Dort konzentrieren sich 60 Prozent aller Coronavirus-Todesfälle und auch die meisten schweren Fälle. Binnen 24 Stunden stiegen die Einweisungen in die UCIs, die Intensivabteilungen um 40 Prozent. Im Krankenhaus des Madrider Stadtteils Leganés wurden am Samstagmittag 250 Menschen in der Notaufnahme gezählt, das Dreifache der Kapazität. Auf die UCI „passt kein einziger neuer Fall“ mehr, erklärte im Fernsehen eine Ärztin unter Tränen.

In vielen anderen Krankenhäusern Spaniens fehlt nach wie vor Basismaterial, wie Schutzausrüstung für das medizinische Personal, was sich leider auch in dramatisch hohen Ansteckungsraten in Krankenhäusern, aber auch bei 157 Polizisten zeigte. In vielen Fällen wird improvisiert, private Initiativen lindern mit höchster Aufopferung die Not, wo es nur geht. Der Krisenstab der Regierung konnte einige Großspenden an Masken, Brillen und Schutzkleidung verkünden, unter anderem von Inditex, Ali-Express und anderen Unternehmen. Andere Firmen, wie Destillen oder Kosmetikfabriken stellten ihre Produktion auf die Abfüllung reinen Alkohols oder Seifen um, welche sie dem Gesundheitswesen zum Teil spenden.

In Alicante wurde im Rathaus ein Stab gegründet, um die Hilfe privater Unternehmen zu kanalisieren und zu organisieren. Hotels stehen nicht nur als Behelfslazaretts zur Verfügung, sondern ab Montag auch als Quartier für das Gesundheitspersonal in Alicante, Valencia, Elche und Castellón.

Zudem hat die Regierung 700 Beatmungsgeräte beschafft, die in den nächsten Tagen angeschlossen werden könnten sowie über 640.000 Schnelltests, die binnen 15 bis 20 Minuten Ergebnisse liefern, was Labors und Krankenhäuser entlasten soll, aber auch die Testdichte erhöhen wird, – ein Schlüssel für die Eindämmung der Ausbreitung. Bisher wurden in Spanien, laut Gesundheitsministerium, 350.000 Tests durchgeführt.

350 Verhaftungen, 30.000 Anzeigen, Militär schreitet in Torrevieja und Orihuela ein

Ein weiterer Schlüssel ist die Disziplin der Bevölkerung. Bis Samstagmittag gab es landesweit 350 Verhaftungen und 30.000 Anzeigen wegen Missachtung der Quarantänemaßnahmen. Die allgemeine Kriminalität, so das Innenministerium, geht aufgrund der Ausgangssperre, dem Umstand, dass so viele Leute zu Hause, dafür sehr viel Polizei auf den Straßen ist, indes um rund 50 Prozent zurück, wie auch Regierungschef Sánchez in seiner Fernsehansprache am Samstag nochmals betonte.

Bilder aus Valencia am Freitag zeigten indes regelrechte Staus von Menschen, die versuchten in ihre Ferienwohnungen zu fahren. 2.800 Soldaten sind in 84 Orten in Spanien zur Unterstützung der Sicherheitskräfte unterwegs. Keineswegs mehr nur für Desinfektionsmaßnahmen.

Das Militär patroulliert durch Torrevieja. Foto: Guardia Civil

In Torrevieja und Orihuela Costa, aber auch in den Orten entlang des Mar Menor stellen Militärpatrouillen der GOE (Grupo Operaciónes Especiales IV, Rabasa, Alicante) die Ausgangssperre sicher. Die genannten Orte fallen durch eine hohe Zahl an Verstößen gegen die Einschränkungen der Quarantäne auf, „oft sind es Ausländer“, stellte die Ortspolizei in Los Alcázares fest, die in einem Facebook-Aufruf unter dem Titel „So werden wir das Virus nicht stoppen“ appellierte, dass ein 5-km-Spaziergang zum Kauf eines Brotes nicht anerkannt und also bestraft werde. Ebenso, wenn manche meinen, sie müssten sieben Mal am Tag oder in fünf verschiedene Supermärkte einkaufen gehen. Oder jedes Mal in den Tabakladen, wenn ein Päckchen aufgeraucht ist. „Die Ausgangssperre ist keine Bestrafung, sondern eine Maßnahme zum Selbstschutz und der Solidarität“, so die Ortspolizisten. Auch halten sich nach wie vor viele nicht an die 1-Auto-1-Person-Regel. Die Guardia Civil ergänzte: „Wir kennen mittlerweile alle Ausreden.“ Die Militärs werden in der Regel von Polizei begleitet, haben aber selbst provisorisch polizeiliche Hoheitsrechte.

Während Spanien rund 4.000 Bürger mit Sondermaschinen aus aller Welt heimholen will, fertigte allein der Flughafen Alicante/Elche am Samstag rund 80 Maschinen mit 12.000 Passagieren ab. Ausländer, die in ihre Heimatländer zurückfliegen. Polizei und Militär hatten durch Absperrungen dafür gesorgt, dass es nicht mehr zu so großen Menschenballungen kam wie noch vor wenigen Tagen.

Internetnutzung geht durch die Decke

Derweil geht bei den diszipliniert zu Hause bleibenden Bürgern die Internetnutzung durch die Decke, insgesamt um 80 Prozent. Spanien hat derzeit in der EU nur noch hinter Deutschland den höchsten Datenverkehr und weltweit den fünfthöchsten. Die Provider in Spanien messen zum Beispiel eine siebenfach höhere Nutzung von Whatsapp, die Regierung hat Anbieter von Streaming-Diensten wie Netflix, HBO oder Amazon Prime darum gebeten, für eine Weile die HD-Übertragungen einzuschränken. Die Nutzer können durch die Veränderung der Einstellung an ihren Apps auch selbst dazu beitragen, das Netz flüssig zu halten.

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