Kein Platz in der UCI

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In ganz Spanien werden Fälle des Coronavirus behandelt. Foto: Eduardo Parra/Europa Press/dpa

Madrid – sk. Die Zahl der Todesopfer hat in Spanien die 1.000 überschritten und die der Infizierten steuert stramm auf die 20.000 zu. In Risikogebieten wie Madrid drängt der Mangel an Ressourcen wie Krankenbetten die Ärzte wohl bald vor die Entscheidung, wen sie in den Intensivstationen behandeln können und wen nicht.

Die spanische Gesellschaft für Intensivmedizin – La Sociedad Española de Medicina Intensiva Crítica y Unidades Coronarias (Semicyuc) –  hat einen „ethischen“ Leitfaden entwickelt,  an dem sich die Ärzte bei so einer schlimmen Entscheidungsfrage orientieren sollen. Muss tatsächlich die Entscheidung gefällt werden, wer von zwei Patienten behandelt werden kann und wer nicht, soll demjenigen Priorität eingeräumt werden, dem Mediziner eine „höhere Lebenserwartung“ und „höhere Lebensqualität“ zuschreiben. Das Alter soll nicht der einzige Entscheidungsfaktor sein. „Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass das chronologische Alter nicht das einzige Kriterium sein sollte, dass die Strategien der Zuordnung (für einen Platz auf der Intensivstation Anm.d. Red) bestimmt“, so der Leitfaden.

Das Gesundheitsministerium führt in seinem Protokoll für Intensivstationen – die unidades de cuidados intensivos (UCI) – als Kriterium die Genesung des Patienten auf, also die Überlebenswahrscheinlichkeit, auch unanhängig vom Alter. Das Protokoll datiert lange vor Ausbruch der Coronavirus-Krise. Es unterscheidet sich nicht sehr stark von dem Semicyuc-Leitfaden. Nur war es vor der Coronavirus-Krise kaum erforderlich, derart restriktive Kriterien bei der Zuweisung von Krankenbetten in der Intensivstration anzuwenden. Nun nimmt man den unnötigen Tod von Menschen hin, also, dass potenziell heilbare Patienten an Covid-19 sterben, weil nicht genug Beatmungsgeräte oder Krankenbetten in Intensivstationen zur Verfügung stehen. Für die Medizin muss das eine Katastrophe sein.

In Spanien stehen insgesamt 4.400 Betten in Intensivstationen zur Verfügung. Am Freitag waren laut Semicyuc 1.100 im ganzen Land belegt. Semicyuc geht davon aus, dass 15 Prozent aller Infizierten in einer Intensivstation behandelt werden müssten – nach heutigem Stand also 3.000.

Den Leitfaden kann man als PDF im Internet herunterladen:

https://semicyuc.org/wp-content/uploads/2020/03/%C3%89tica_SEMICYUC-COVID-19.pdf

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